Prinzessinnen in der Eiger Nordwand

Feb 18, 2014

Tütenbrot oder Brot mit frischen Zutaten?

Glück gehabt. Joanna hat ein paar Mal „Husch, Husch!“ zu meinem Virus gesagt und flugs ist er wieder so ziemlich weg – ebenso schnell wie er gekommen war. Glücklicherweise.
Denn schon morgen sollte hier ein hübscher Geburtstagskuchen für meine Sophie auf dem Tisch stehen. Sie wird morgen dreizehn Jahre alt. Drei-Zehn! Die eigentliche Party steigt erst die Woche später am Samstag – günstig für mich.
Ich muss irgendwie mal innehalten und Rückschau betreiben.
Innehalten ist im Moment schwierig. Wir befinden uns an der Eiger Nordwand mitten im Aufstieg. Wie könnte man da rückschauen?!
Und schon einige Tage später, nämlich am Samstag, sollte eine möglichst umwerfende Torte auf die Gäste warten – dann nämlich, wenn meine kleine Dorothea sechs Jahre alt wird. Sie feiert eine liebliche Prinzessinnenparty – soll heißen: All‘ die kleinen Ladies kommen in feinsten Roben. Die Einladungen haben wir heute erst fertig geschrieben. Reichlich spät.
Ja, was soll’s? Es geht eben nicht alles. Wenn ich einen Virus hab, hab ich einen Virus.
Ich habe in all‘ diesen Jahren eins gelernt: Ich reite nicht auf Prinzipien herum. Wenn ich merke, dass ich irgendetwas nicht so hinkriege, wie es geplant war, mache ich eben spontan was anderes daraus.
Was Einfaches. Ich hab früher sogar einfach und knallhart eine Tiefkühltorte hingestellt, weil meine kleine Sophie nächtelang gebrüllt hat und ich tagsüber dann völlig fertig durch die Gegend wanken musste.
Lasst euch nicht dogmatisieren! Es ist eure Entscheidung, wie ihr lebt. Niemand darf da reinreden. Nicht die Nachbarin, nicht die Omma, nicht die Tante oder die tolle Freundin, die vielleicht gar keine ist.
Ich erinnere mich noch sehr gut, dass damals jemand fragte: Hast du die selber gebacken? Und ich dann: Nö. Die hab ich bei dem bekannten Tiefkühlunternehmen bestellt. Das Gesicht hättet ihr mal sehen sollen.
Zu herrlich!
Also. Kein Dogma! Wenn ihr frisch und nachhaltig und bio kochen und backen könnt und wollt: Wunderbar! Bin dafür. Aber: Wenn ihr es warum auch immer nicht wollt oder könnt, dann lasst euch nicht von wem auch immer unter Druck setzen! Letztendlich unterliegen wir alle bestimmten Modeerscheinungen – auch beim Kochen und Backen. In der Zeit des Wirtschaftswunders wurden Fertigprodukte und Supermärkte hochgelobt. Heute sehen wir die Lage wieder ganz anders – der Trend geht zu Bio-Produkten und zurück zum gemütlichen Tante-Emma-Laden (eine Illusion, klar).
Was ich mit all‘ dem sagen will, ist: Ich stelle auf Sugarprincess in der Hauptsache Gerichte vor, die fast ganz ohne Fertigprodukte auskommen. Ich finde das auch richtig und bestärke auch jeden darin, es so zu machen. Es schmeckt besser. Es ist nachhaltig. Es ist fair. Aber ich gehöre nicht zu jenen, die schon einen Herzanfall bekommen, wenn irgendwo in einem Rezept eine Tüte Vanillepuddingpulver aufgelistet ist. Und wenn ihr Fragen haben solltet, wie man ein Fertigprodukt am besten ersetzen kann: Bitte stellt sie einfach!
Kochen und Backen soll Spaß machen. Und wenn jemand anfängt zu kochen und dabei Tüten benutzt, so ist das Entscheidende zunächst einmal, dass derjenige überhaupt etwas kocht. Und wenn derjenige sich dann allmählich weiter entwickelt und immer mehr Freude am Kochen und Backen findet, dann wird sich automatisch der Wunsch einstellen, einmal über den Markt zu schlendern und frisches Gemüse zu beschnuppern. Vielleicht sogar selber ein kleines Gärtchen auf der Fensterbank oder auf dem Balkon einzurichten. Oder gar einen Garten anzumieten.
Ich bin wieder mal abgeschweift. Nicht ganz allerdings. Eigentlich wollte ich über meine kleine Dorothea schreiben. Sie war kürzlich selber auf einem Geburtstag eingeladen. Da sollte man sich auch verkleiden. Sie war mit allen unseren vorhandenen Kostümen unzufrieden. So ist sie also als sie selbst gegangen. Vergeblich meine Versuche, ihr doch noch irgendetwas aufzuschwatzen. Nein, Mami. Ich verkleide mich nicht. Als sie wieder zu Hause war, schien sie mir etwas geknickt und ich fragte sie, ob sie denn die einzige gewesen sei, die kein Kostüm angehabt habe. Sie gab keine richtige Antwort und es war nichts aus ihr heraus zu kriegen. Heute, als wir dann wieder über ihre eigene Party sprachen, sagte sie plötzlich: Weißt Du, Mami, die sind da alle als Prinzessin gekommen. Das finde ich so kitschig. Ich, aus allen Wolken fallend, frage sie: Ja, warum willst du denn dann eine Prinzessinnen-Party machen? Ja, weil die das doch alle so toll finden.
Sagt sie.

Dorothea mit ihren rosa Einladungen

Wenn ich das gewusst hätte! Jetzt ist es natürlich zu spät, noch etwas zu ändern. Ich habe ihr ein mordsmäßig kitschiges Prinzessinnenkleid gekauft, wir haben rosa Einladungskarten geschrieben, wir haben Glitzerperlen eingekauft, damit jede der Prinzessinnen sich eine schöne Kette basteln kann, und ich habe eine Torte geplant, in die jede von den kleinen Ladies am liebsten einziehen würde. Geplant. Die Torte ist ja noch nicht fertig.
Und zur Not… ihr wisst schon.
So ist das mit den Zwängen, denen wir alle, selbst die ganz Kleinen, schon unterliegen. Das ist auch der Grund, warum ich bei Joanna am liebsten die Inspirationspostings lese: Sie bestärkt mich immer wieder darin, dass es nicht darauf ankommt Tante Erna, Onkel Fritz und den lieben Nachbarn zu gefallen. Auch nicht der Freundin, der Mami oder dem Ehemann. Sondern dass es darauf ankommt zu verstehen wofür das eigene Herz schlägt.
Das eigene.
Herz.

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