Freche rote Früchtchen und die Spaltung der Bloggerwelt in Gut und Böse

Mrz 27, 2014

Aus gegebenem Anlass weise ich alle meine Leserinnen und Leser nochmals explizit darauf hin, dass die Erdbeerzeit hierzulande erst Mitte Mai beginnt. Dennoch sind bereits Erdbeeren im Handel zu bekommen. Unter welchen Bedingungen sie entstehen, kann jeder im Netz nachlesen. Dass diese Bedingungen ökologisch nicht besonders wertvoll, wenn nicht gar schädlich sind, ist bekannt. Sie schmecken auch noch nicht wirklich so wunderbar, wie sie schmecken könnten, wenn Saison wäre.

Dennoch habe ich ausnahmsweise zu den Geburtstagen meiner Töchter zwei Erdbeertorten gebacken.
Ich habe diese Ausnahmen auf meinen Blog gestellt. Ich kaufe fast immer nach saisonalen Prinzipien ein, aber manchmal eben auch nicht. Zum Beispiel zu einem Geburtstag. Und wenn jemand mich für diese Ausnahme kritisieren möchte, dann möge er das offen und direkt tun. Am besten, indem er mich einfach offen anspricht. Ich bin für wichtige und interessante Diskussionen zu haben.

Also: Lasst uns darauf achten, möglichst oft regional, saisonal und gesund zu kochen und zu backen. Lasst euch von diesem Leitsatz jedoch nicht terrorisieren. Wenn ihr als ein erwachsener Mensch euch in dem einen oder anderen Fall anders entscheidet, so ist das eure eigene Verantwortung.
Niemand hat das Recht, euch dafür als einen schlechteren Menschen zu betrachten.
Keine Tabus! Keine Betonköpfe!

Wenn ich mich entscheide, im April eine Auberginentorte zu verbloggen, werde ich das tun.
Wenn ich Rezepte mit Fertigprodukten einstellen möchte, werde ich das tun. Ich lasse mir das Kochen und Backen nicht tabuisieren – weder in die eine noch in die andere Richtung. Ich halte meine Leserinnen und Leser für intelligente und verantwortungsbewusste Menschen. Sie können selber entscheiden, ob sie lieber das Tütenrezept ausprobieren oder das mit den frischen Zutaten. Lieber eins mit saisonalen Zutaten oder lieber eins mit exotischen, von weit her eingeflogenen Lebensmitteln. Ich kann darauf hinweisen, was es bedeutet, fairen Handel zu unterstützen. Ich kann darauf hinweisen, ob gerade Saison für ein Lebensmittel ist oder nicht. Wie und wann und in welchem Ausmass ich das tue, ist meine Sache. Ich habe meine Gründe, warum ich so vorgehe, wie ich vorgehe.

Wir kommen nicht weiter, wenn wir unsere Kolleginnen und Kollegen und unsere Leserinnen und Leser in zwei Gruppen einteilen: Die Guten und die Bösen. Die Guten, die immer (?) alles richtig machen (woher kommt denn dein Tabak, Heike?) und immer nur saisonal und regional einkaufen und die Bösen, die sich einen Fehltritt nach dem anderen leisten. Erdbeeren im März, Auberginen im April.

„Gewinner ist der Konzern. Und der, der seine Erdbeertorte als erstes im Jahr auf facebook postet“, schreibt Heike, ohne dabei allerdings Namen zu nennen. Ich bin eine der ersten, die eine Erdbeertorte gezeigt hat. Welchen Gewinn sollte ich wohl dadurch haben? Warum hast du nicht das direkte Gespräch mit mir gesucht? Wir haben doch schon stundenlang miteinander gesprochen! Scheust du etwa die direkte Auseinandersetzung – falls es da überhaupt eine geben müsste?! Wieso zweifelst du die Integrität aller anderen ausser dir an? Mit welchem Recht denn?

Ich kündige hiermit an, dass ich weiterhin zu jeder Zeit das posten werde, was ich posten will.
Ich werde möglicherweise im Winter Erdbeertorten einstellen und das ganze Jahr über Spargelgerichte. Ich werde Himbeertörtchen zu Weihnachten anbieten und Wurzelgemüse im Hochsommer. Ich werde vielleicht darauf hinweisen, dass zu diesem oder jenem Zeitpunkt für dies oder jenes Saison oder keine Saison ist. Vielleicht aber auch nicht. Ich werde Fleischgerichte noch und nöcher posten und dann wieder jahrelang nur vegetarische Rezepte. Ich lasse mir meine Inhalte nicht vorschreiben. Ich lasse mich nicht festlegen. Ich lasse mich auch nicht in ein ökologisch korrektes Korsett zwingen. Ich glaube daran, etwas verändern zu können. Aber nicht auf diese Art – nicht von oben herab.

Faire, offene Diskussionen können fruchtbar sein und viele Menschen aufwecken und zu verändertem Verhalten veranlassen. Dagegen habe ich nichts. Kurz vor dem Posting mit der Erdbeertorte habe ich meine Leserinnen und Leser noch gefragt, wie sie es mit ihrem Einkauf halten – saisonal oder nicht oder manchmal oder immer? Es kam kein Kommentar. Auch von dir nicht, Heike.
Dein belehrend erhobener Zeigefinger wird das Gegenteil bewirken von dem, was du damit zu erreichen glaubst. Niemand lässt sich gerne diktieren, was er zu tun und zu lassen hat, weder die Leserinnen und Leser, noch die Bloggerkollegen.

Wir gehen entweder respektvoll miteinander um, oder wir können nichts ausrichten.

Und: Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.

So sehe ich das. Und ihr? 

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