Kulinarische Entdeckungen im Kraichgau, ein versteckter Wochenplan und der nahende Abschied.

Sep 10, 2014

Die letzte Ferienwoche ist angebrochen – der Spätsommer hat uns noch einige sehr warme und sonnige Tage geschenkt. Zwischen Vorbereitungen auf die Schulzeit, Besuchen in der Klinik und den üblichen alltäglichen Verpflichtungen nehmen wir uns jeden Tag die Zeit, um mit den Kindern möglichst viel Schönes zu unternehmen. Ausflüge in die wunderbare Landschaft des Kraichgau, nach Neckargemünd und Heidelberg und auch einfach so mal kurz um die Ecke, aufs Feld, zum Sportplatz, ins Dorf stehen auf dem Plan.
Ich bereite Flammkuchen zu, koche Sommer-Dinkel-Linsen-Minestrone, einfache Pasta mit Pesto und Parmesan, brate Kürbispfannkuchen und Reibekuchen und backe eine würzige vegetarische Lasagne. Auch ein Rinderbraten mit Gemüse und Kartoffeln darf nicht fehlen – Sonntage sind besondere Tage. Zwischendurch gibt es allerlei Varianten aus den Äpfeln, die immerzu vom Baum purzeln: Apfelkompott, Apfelstrudel, Apfelkuchen.

Johannes ist inzwischen bei mir in die Lehre gegangen und hat während der Ferien jeden Tag unser Brot gebacken. Er hat viele Erfahrungen mit Hermann, unserem Sauerteig, gesammelt und ist jetzt in der Lage, mein Hausrezept abzuwandeln und absolut selbständig und ohne meine Hilfe wunderbares Brot zu backen. Selbst das Einschneiden gelingt ihm schon wirklich sehr gut. Ich bin so stolz auf ihn!!!

Gekaufte Pasta schmeckt mir nicht mehr, seitdem ich weiß, wie gut sie hausgemacht schmecken kann. Trotzdem kaufe ich jede Woche Spaghetti, weil es immer mal einen Tag gibt, an dem wir keine Lust oder Zeit haben, mit viel Aufwand zu kochen und vor allem, weil Wolf Spaghetti liebt. Dieses Mal habe ich die feinsten genommen, die ich kriegen konnte – Bioland lässt grüßen. Und sie haben tatsächlich sehr gut geschmeckt – auch die Kinder haben den Unterschied sofort bemerkt.
Ab und zu fahren wir zum Stift Neuburg bei Heidelberg. Dort leben noch einige Mönche und auf ihrem großen Hofgut gibt es auch einen Klosterladen, der ausgezeichneten Käse aus eigener Herstellung anbietet. Am besten haben uns bisher der Lustige Abt und der Ziegenmax geschmeckt – die Kinder essen diesen Käse so gern wie Schokolade, ich schwöre! Wer einkehren möchte, kann dort sehr idyllisch auch im Biergarten des Klosterhofs sitzen.
Die Klosterkühe gehören zu den glücklichen – sie weiden auf einer grünen Aue und haben obendrein einen herrlichen Ausblick auf den Neckar. Das macht sich deutlich im Geschmack bemerkbar… 

In der Klosterkirche zünden wir jeder eine Kerze für unseren Kranken an und halten einen Moment Andacht. Draußen wartet üppig der Feigenbaum an der Kirchenwand auf unsere Bewunderung. Die Feigen reifen noch. Ich denke daran, dass alles im Fluss ist. Mein kleiner Feigenbaum in unserem Garten wird eines Tages so groß sein wie dieser hier. Und er wird Frucht tragen.

Ich experimentiere mit verschiedenen Frühstücksrezepten herum – in den Ferien lassen wir uns viel mehr Zeit für ein gemütliches Frühstück und oft haben auch meine beiden großen Töchter Ideen, was es zum Frühstück geben könnte – vor kurzem haben sie Waffeln gebacken, was die Kleinen dann mit einem wahren Freudengeheul begrüsst haben. Wenn der Feigenbaum bei uns fruchtet, wird es im Sommer saftige Feigen frisch vom Baum geben und im Winter süße getrocknete Früchte fürs tägliche Müsli.

Auch immer beliebt ist der Ausflug in die Malscher Weinberge zur Letzenbergkapelle – eine Wallfahrtskapelle des Jakobswegs – mit anschliessendem Besuch auf dem außergewöhnlichen Spielplatz in Malsch. Noch toller und als krönenden Abschluss sind wir diesmal mit den Kindern in die Besenwirtschaft Reblaus des Weinguts Bös eingekehrt und haben dort deftig eine Runde Flammkuchen inmitten der Apfelbäume gespeist.

Und schließlich: Heidelberg, du Feine! Bei den italienischen Eisdielen auf der Hauptstrasse oder ganz besonders in der Bio-Eismanufaktur in der Kleinschmidtstrasse Nummer Eins schlecken wir gerne alle ein Eis. Beim Italiener gibt es so wunderbare Sorten wie Snickers-Eis oder Ricotta, Fleur-de-Sel-Eis oder Trüffel. In der Eismanufaktur haben wir jeder unsere Lieblingssorte: Sophie schwört auf Mandel, ich schwöre auf die Kreationen mit Ingwer, bei Dorothea ist Schokolade immer die erste Wahl, Wolf probiert sich durch alle Sorten, die er noch nie probiert hat und der Kleinste liebt Erdbeer. Die Eismanufaktur hat übrigens auch einen Ableger oben in der Gaststätte im Stift Neuburg.

Die Ferien gehen zu Ende. Am Freitag werden wir unser krankes Kind endlich aus der Klinik holen. Er darf dann zwei Tage bei uns bleiben und am Sonntag werden wir ihn alle zusammen in eine ausgezeichnete therapeutische Einrichtung im Schwarzwald bringen. 
Mein Herz ist schwer wie Blei und ich wache jeden Tag auf mit einem gewaltigen innerlichen Schrei. Aber ich muss und will diesen Weg für mein Kind gehen und werde ihn stark und mit dem Vertrauen beschreiten, dass er dort endlich gesund werden wird. Und mit dem Vertrauen, dass er eines Tages wieder zu uns zurückkehren wird. 
Alles fliesst.

Pin It on Pinterest

Share This

Du möchtest anderen eine Freude machen?

Teile dieses Rezept!